47 offene Tabs. Drei angefangene To-Do-Listen. Ein Termin, den ich vergessen habe. Und das Gefühl, dass mein Kopf ein Browser mit zu vielen Fenstern ist.
Das war mein Dienstag. Und mein Mittwoch. Und eigentlich jeder Tag seit 20 Jahren.
Ich bin Tom. 40 Jahre alt. ADHS-Diagnose mit 38. Spätdiagnostiziert, wie ungefähr 1,8 Millionen andere Erwachsene in Deutschland, die nicht wissen, dass sie ADHS haben. Denn nur 0,2 Prozent der Erwachsenen sind diagnostiziert — obwohl Schätzungen davon ausgehen, dass 2,5 Prozent betroffen sind.
Nach meiner Diagnose habe ich gemacht, was jeder macht. Ich habe Apps ausprobiert.
Der Markt für ADHS-Apps ist eine Wüste
Es gibt Todoist. Things. Notion. TickTick. Fantastical. Und circa 400 andere Produktivitäts-Apps, die alle das gleiche Versprechen machen: Organisiere dein Leben. Sei produktiver.
Das Problem: Diese Apps sind für neurotypische Menschen gebaut. Sie setzen voraus, dass du morgens aufstehst, deine Aufgaben durchgehst, priorisierst, abarbeitest. Wenn du ADHS hast, bist du morgens damit beschäftigt, dich zu erinnern, wo du gestern dein Handy hingelegt hast.
Dann gibt es die spezialisierten ADHS-Apps. ORIKO. Attexis. Beides sind Digitale Gesundheitsanwendungen — kurz DiGA. Das sind Apps, die klinisch getestet und vom Bundesinstitut für Arzneimittel zugelassen werden. Die Krankenkasse bezahlt sie. Gut für die therapeutische Begleitung. Aber keine davon ist ein Alltagswerkzeug. Keine davon hilft mir um 14 Uhr, wenn mein Gehirn entscheidet, dass es jetzt drei Stunden lang Wikipedia lesen will.
Und dann sind da die englischsprachigen Apps. Numo. Inflow. Gute Ansätze, aber auf Englisch, US-zentriert, und mit Abo-Modellen, die sich anfühlen wie ein weiteres Abonnement, das ich in drei Monaten vergesse zu kündigen.
Was fehlt: Eine deutsche ADHS-App für Erwachsene, die im Alltag funktioniert. Kein Therapie-Ersatz. Ein echtes Werkzeug.
Also habe ich FLOWcockpit gebaut
Nicht weil ich Entwickler bin. Bin ich nicht. Ich komme aus dem Marketing. Aber ich habe in den letzten 18 Monaten gelernt, mit AI-Tools zu bauen. Und irgendwann war der Leidensdruck größer als die Angst vor dem Code.
FLOWcockpit ist eine Progressive Web App. Das ist eine Anwendung, die im Browser läuft, aber sich wie eine native App anfühlt — sie funktioniert offline, lässt sich auf dem Homescreen installieren und speichert alles lokal auf dem Gerät. Verschlüsselt. Keine Cloud. Keine Registrierung. Kein Account.
Warum local-first?
Weil ich keiner Firma meine ADHS-Daten geben will. Meine Energiekurven, meine Stimmungsprotokolle, mein Medikamenten-Tracker — das sind die intimsten Daten, die es gibt. Die gehören auf mein Gerät. Nicht auf einen Server in Virginia.
Local-first bedeutet: Deine Daten werden direkt auf deinem Gerät gespeichert und verarbeitet. Kein Upload in die Cloud, kein Account nötig, kein Datenschutzrisiko. Selbst wenn der Hersteller morgen vom Markt verschwindet, funktioniert deine App weiter.
17 Features für ein ADHS-Gehirn
Ich habe FLOWcockpit nicht nach einem Produktplan gebaut. Ich habe es nach meinem Tag gebaut.
Morgens
Eine Morgenroutine, die mich durch die ersten 30 Minuten führt. Nicht als Liste. Als geführten Ablauf. Weil mein Gehirn morgens nicht entscheiden kann. Es braucht einen Fahrplan.
Vormittags
Ein Fokus-Timer, der mit mir arbeitet. Nicht das starre 25-Minuten-Pomodoro-Schema — das ist zu rigide für ein ADHS-Gehirn. Flexible Blöcke, die sich meiner Energie anpassen.
Nachmittags
Ein Energie-Tracker. Weil jeder ADHS-Mensch weiß, dass 14 Uhr der Feind ist. Und wenn du weißt, dass dein Nachmittag schwach wird, planst du deine wichtigen Aufgaben morgens.
Abends
Ein Reflexions-Tool. Drei Fragen. Was lief gut. Was nicht. Was morgen. Fünf Minuten. Weil Reflexion das ist, was ADHS-Menschen am meisten fehlt — der Blick zurück.
Und über allem: ein AI-Coach
Nicht als Spielerei. Als echte Unterstützung. Der Coach lernt meine Muster, meine Stärken, meine Fallen. Er sagt nicht „Du musst produktiver sein.“ Er sagt: „Du hattest gestern um 10 Uhr deinen besten Fokus. Soll ich den heutigen Termin dahin schieben?“
Warum keine deutsche ADHS-App existierte
Die Antwort ist einfach und frustrierend zugleich.
Die Erstdiagnosen bei Erwachsenen in Deutschland sind seit 2015 um 199 Prozent gestiegen. Von 8,6 auf 25,7 pro 10.000 Versicherte. Das Bewusstsein wächst. Aber die Produkte hinken hinterher.
Die großen App-Anbieter bauen für den US-Markt. Dort ist der zahlende Markt am größten. Deutschland bekommt bestenfalls eine Übersetzung. Keine echte Lokalisierung. Keine Anpassung an das deutsche Gesundheitssystem.
Die DiGA-Apps wie ORIKO und Attexis sind gut, aber auf Therapie fokussiert. Sie ersetzen oder begleiten professionelle Behandlung. Das ist wichtig. Aber es ist nicht das, was ich brauche, wenn ich abends vergessen habe, die Waschmaschine auszuräumen.
Und Startups in Deutschland bauen lieber B2B-SaaS als Consumer-Apps für eine stigmatisierte Zielgruppe.
Das Ergebnis: Eine Lücke. Zwei Millionen betroffene Erwachsene. Und keine vernünftige ADHS-App auf Deutsch, die den Alltag einfacher macht.
Was ich gelernt habe
Das Wichtigste: ADHS-Tools müssen anders funktionieren als normale Produktivitäts-Apps.
Weniger Optionen, nicht mehr. ADHS-Menschen werden von Auswahl gelähmt. Jeder Screen muss eine klare Aktion haben. Kein Menü mit zwanzig Unterpunkten. Kein Dashboard, das aussieht wie ein Cockpit der Lufthansa.
Sofortige Belohnung. Nicht „in 30 Tagen siehst du Ergebnisse.“ Sondern jetzt. Ein grüner Haken. Ein Streak. Ein kurzes „Gut gemacht.“ Unser Dopamin-System — der körpereigene Belohnungsmechanismus — braucht das.
Verzeihen statt Bestrafen. Wenn du einen Tag aussetzt, soll die App nicht zeigen: „Du hast deinen Streak verloren.“ Sondern: „Willkommen zurück. Lass uns weitermachen.“
Datenschutz ist nicht optional. ADHS-Daten sind Gesundheitsdaten. Punkt. Kein Verhandeln, kein Kleingedrucktes. Die Daten bleiben auf dem Gerät.
Für wen ist das
Für die 2 Millionen Erwachsenen mit ADHS in Deutschland, die morgens aufstehen und denken: Heute werde ich organisiert sein. Und abends merken, dass der Tag schon wieder irgendwie passiert ist.
FLOWcockpit wird dein ADHS nicht heilen. Kein Tool tut das. Aber es gibt dir eine Struktur, die mit deinem Gehirn arbeitet. Nicht gegen es.
Wenn du es ausprobieren willst: FLOWcockpit ansehen. Kostenlos. Keine Registrierung. Deine Daten bleiben bei dir.
Und wenn du Fragen hast oder mir erzählen willst, was du dir wünschst — schreib mir. Ich baue das hier nicht für einen Markt. Ich baue es für Menschen wie mich.