Co-Parenting App Deutschland — Warum ich selbst gebaut habe

2,8 Millionen Alleinerziehende in Deutschland. Aber keine App, die das Kind ins Zentrum stellt. Also habe ich eine gebaut.

Der Moment, in dem du merkst, dass du eine App brauchst, die es nicht gibt, ist nie ein guter Moment.

Bei mir war es ein Sonntagabend. Übergabe. Mein Sohn steht mit seinem Rucksack da. Darin: keine Wechselkleidung. Die Hausaufgaben, die am Montag fällig sind, liegen bei seiner Mutter. Und der Arzttermin, den wir letzte Woche besprochen haben? Keiner von uns hat ihn eingetragen.

Kein Drama. Kein Streit. Einfach nur das übliche Chaos, das passiert, wenn zwei Eltern in zwei Haushalten versuchen, ein Kind zu organisieren. Und keine vernünftige Co-Parenting App für Deutschland existiert.

2,8 Millionen Alleinerziehende. Kaum brauchbare Tools.

Die Zahlen sind brutal ehrlich. 2,8 Millionen Alleinerziehende in Deutschland. 110.968 minderjährige Kinder waren allein 2024 von einer Scheidung betroffen. Und jede fünfte Familie in Deutschland erzieht getrennt.

20%
aller Familien in Deutschland erziehen getrennt. Das ist keine Randgruppe. Das ist ein Fünftel der Gesellschaft.

Und was bietet der Markt? Ich habe alles ausprobiert. Wirklich alles.

Die Co-Parenting-Apps, die ich getestet habe

OurFamilyWizard

Die größte Co-Parenting App der Welt. Eine Million Nutzer. Aus den USA. Auf Englisch. Designt für das amerikanische Rechtssystem mit sogenannten Custody Schedules — standardisierte Sorgerechtsmodelle, die nichts mit deutschem Umgangsrecht zu tun haben. Kosten: 120 Dollar im Jahr. Pro Elternteil.

2houses

Belgisch. Netter Ansatz. Gemeinsamer Kalender, Kostenaufteilung, Tagebuch. Aber: Fühlt sich an wie ein Buchhaltungstool. Kalt. Konfliktzentriert. Als wäre jede Interaktion ein potenzieller Rechtsstreit.

Getrennt-Gemeinsam

Vom Freistaat Bayern gefördert. Kostenlos. Datenschutzkonform. Aber: Minimal-Funktionalität. Ein Chat. Ein paar Dokumente. Keine echte Kalenderintegration. Kein Offline-Modus — also keine Möglichkeit, die App zu nutzen, wenn du gerade kein Netz hast.

CoParently

Die vielversprechendste deutsche Lösung. Aber: Immer noch in der Beta. Und auch hier der gleiche Ansatz — Kalender, Finanzen, Chat. Die Eltern im Zentrum. Nicht das Kind.

Und genau da liegt das Problem.

Das Kind fehlt

Alle Co-Parenting Apps, die ich kenne, sind um den Konflikt herum gebaut. Sie gehen davon aus, dass zwei Erwachsene Hilfe brauchen, miteinander zu kommunizieren. Das stimmt. Aber das ist nicht der Kern.

Der Kern ist das Kind.

Mein Sohn ist kein Termin in einem geteilten Kalender. Er ist ein Mensch mit Hobbys, Freunden, Ängsten, Lieblingsessen. Er hat einen Alltag, der zwischen zwei Wohnungen hin- und hergerissen wird. Und kein einziges Tool fragt: Was braucht das Kind?

Nicht: Wer hat das Sorgerecht an welchem Wochenende? Sondern: Hat er seine Schwimmbrille dabei? Wann ist die nächste Klassenarbeit? Mag er immer noch keine Paprika?

Also habe ich Sonnentaucher gebaut

Der Name kommt von meinem Sohn. Sonnentaucher — sein Lieblingstier. Ein Vogel, der in Süß- und Salzwasser lebt. Zwei Welten. Wie ein Kind getrennter Eltern.

Sonnentaucher ist eine Co-Parenting App, die das Kind ins Zentrum stellt. Nicht den Konflikt. Nicht die Finanzen. Das Kind.

Was drin ist:

Wochenplanung

Nicht ein starrer Umgangskalender, sondern eine flexible Wochenansicht. Wer hat wann das Kind? Was steht an? Was muss mit? Synchron für beide Eltern — in Echtzeit.

Kinderprofil

Allergien. Schuhgröße. Lieblingsessen. Arzt-Kontakte. Alles, was beide Eltern wissen müssen — an einem Ort. Weil niemand mitten in der Nacht seine Ex anrufen will, um zu fragen, wie das Allergie-Medikament heißt.

Übergabe-Checkliste

Rucksack gepackt? Hausaufgaben dabei? Kuscheltier? Klingt banal. Ist es nicht. Jeder getrennte Elternteil kennt den Moment, in dem das Kind abends weint, weil das eine Ding fehlt.

Push-Erinnerungen

Nicht für Erwachsene. Für das Kind. „Morgen ist Schwimmtag. Schwimmzeug einpacken.“ Weil vergessene Sachen Kindergefühle verletzen.

Warum das emotional brutal ist

Ein Produkt für getrennte Eltern zu bauen ist anders als ein normales SaaS-Produkt. SaaS steht für Software as a Service — Softwareprodukte, die als Abo übers Internet genutzt werden. Normalerweise geht es da um Effizienz, Metriken, Conversion Rates.

Hier nicht.

Jedes Feature-Request kommt mit einer Geschichte. „Könntet ihr einen Medikamenten-Tracker einbauen? Mein Ex vergisst die Dosis.“ Hinter jedem Satz steckt Schmerz. Sorge. Und der Wunsch, dass es dem Kind gut geht.

Ich habe Features gebaut und dabei geweint. Nicht weil der Code schwer war. Sondern weil ich jede User Story — jede Nutzergeschichte, jedes Problem, das ein Feature lösen soll — selbst lebe.

Die größte Erkenntnis nach sechs Monaten: Die App funktioniert. Aber das Onboarding ist das schwerste Problem.

Die meisten Nutzer verstehen den Wert erst nach zwei Wochen. Aber 70 Prozent geben nach drei Tagen auf. Weil eine Co-Parenting App nur funktioniert, wenn beide Eltern mitmachen. Und den Ex-Partner zu überzeugen, eine App zu installieren, ist manchmal härter als die Trennung selbst.

Was Deutschland braucht

22%
der Kinder in Deutschland haben nach der Trennung keinen Kontakt zum anderen Elternteil.

29 Prozent haben Kontakt, übernachten aber nie dort. Das Wechselmodell — bei dem das Kind abwechselnd bei beiden Eltern lebt — wird nur von 5 bis 10 Prozent praktiziert.

Hinter diesen Zahlen stehen Kinder. Kinder, die ihren Papa vermissen. Oder ihre Mama. Kinder, die zwischen zwei Welten leben und sich in keiner ganz zu Hause fühlen.

Eine App löst das nicht. Aber sie kann helfen. Weniger vergessene Sachen. Weniger Missverständnisse. Weniger Streit über Organisatorisches. Mehr Raum für das, was zählt: Zeit mit dem Kind.

Für wen ist Sonnentaucher

Für die 2,8 Millionen Alleinerziehenden in Deutschland. Für jeden Elternteil, der nach der Trennung versucht, das Beste für sein Kind zu tun. Für Väter und Mütter, die keinen Krieg wollen — sondern Struktur.

Sonnentaucher ist kostenlos. Weil getrennte Eltern genug bezahlen. Emotional. Finanziell. Zeitlich.

Wenn du es ausprobieren willst, oder wenn du mir erzählen willst, was dir in deinem Alltag als getrennter Elternteil fehlt — schreib mir. Ich antworte persönlich. Weil ich weiß, wie es sich anfühlt.

Co-Parenting App Germany — Why I Built My Own

2.8 million single parents in Germany. No app that puts the child first. So I built one.

The moment you realize you need an app that doesn't exist is never a good moment.

For me it was a Sunday evening. Handover. My son standing with his backpack. No change of clothes. Homework due Monday still at his mother's place. The doctor's appointment we discussed last week? Neither of us had noted it down.

No drama. No fight. Just the usual chaos when two parents in two households try to organize one child's life. And no decent co-parenting app for Germany exists.

The Numbers

2.8 million single parents in Germany. Over 110,000 minors affected by divorce in 2024 alone. One in five families raises children across two households. That's not a niche. That's mainstream.

What I Found

I tested everything. OurFamilyWizard from the US — English only, built around American custody law, $120/year per parent. 2houses from Belgium — felt like an accounting tool. Getrennt-Gemeinsam from Bavaria — free but minimal. CoParently — the most promising German solution, still in beta.

Every single one centers on the conflict between parents. Calendars, finances, communication logs. The adults are the focus. Not the child.

So I Built Sonnentaucher

Named after my son's favorite bird — a loon that lives in both fresh and salt water. Two worlds. Like a child of separated parents.

Sonnentaucher puts the child at the center. Weekly planning. Child profiles with allergies, shoe sizes, and doctor contacts. Handover checklists. Push reminders designed around the child's needs, not the parents' schedules.

What I Learned

Building for separated parents is emotionally different from building a standard SaaS product. Every feature request comes with a story. Every user story is one I live myself. The hardest problem isn't the code — it's onboarding. 70% of users drop off within three days, because a co-parenting app only works when both parents participate.

Sonnentaucher is free. Because separated parents already pay enough — emotionally, financially, in time.

If you want to try it, or if you want to tell me what's missing in your life as a separated parent — reach out. I reply personally.