Vor 18 Monaten konnte ich kein JavaScript. Heute betreibe ich fünf Produkte, 13 Services und eine AI-Lernplattform mit über 600 Sprints. Alleine.
Das klingt wie eine dieser LinkedIn-Erfolgsgeschichten. Ist es nicht. Es ist die Geschichte von 18 Monaten Chaos, Frustration und dem besten Lernprozess meines Lebens.
Mein Hintergrund: Null Code
Ich komme aus dem Marketing. 15 Jahre lang habe ich Kampagnen gebaut, Marken positioniert, Pitches präsentiert. Mein technischstes Tool war Excel. Vielleicht mal ein WordPress-Plugin installiert. Das wars.
Im Oktober 2024 habe ich angefangen, mit AI zu bauen. Nicht weil ich Entwickler werden wollte. Sondern weil ich ein Problem hatte und niemand eine Lösung baute.
Der erste Versuch war ein No-Code-Tool. Bubble. Ich habe drei Wochen damit verbracht. Das Ergebnis: Eine langsame App, die auf Mobile nicht funktionierte, und eine monatliche Rechnung von 79 Dollar für etwas, das ich nicht kontrollieren konnte.
Der Moment, in dem AI alles verändert hat
Dann habe ich Claude entdeckt. Nicht als Chatbot. Als Entwicklungspartner.
Ich habe angefangen, Code zu schreiben. Oder besser: Ich habe angefangen, zu beschreiben, was ich will, und Claude hat den Code geschrieben. Ich habe ihn gelesen. Versucht zu verstehen. Fragen gestellt. Und Stück für Stück gelernt.
Das ist AI-native Entwicklung. Nicht AI als Werkzeug in einem bestehenden Workflow. Sondern AI als fundamentaler Bestandteil des gesamten Prozesses. Vom Konzept bis zum Deployment — also dem Moment, in dem der Code tatsächlich live geht. Von der Architektur bis zum Bugfix.
Und es funktioniert. Aber anders, als die meisten denken.
Was funktioniert hat
HTML + Vanilla JavaScript + Supabase
Kein Framework. Kein React. Kein Next.js. Das klingt altmodisch. Ist es. Aber es hat einen enormen Vorteil: Ich verstehe jeden Teil des Stacks.
Kurz zur Erklärung: Vanilla JS bedeutet einfach pures JavaScript ohne zusätzliche Bibliotheken — du schreibst den Code direkt, ohne Zwischenschicht. Supabase ist eine Open-Source-Datenbank mit eingebauter Nutzerverwaltung, die du auf deinem eigenen Server betreiben kannst. Kein Vendor Lock-in, volle Kontrolle.
Wenn etwas kaputt ist, weiß ich wo. Wenn ich etwas ändern will, ändere ich es. Keine Abstraktion zwischen mir und meinem Code.
Schnelle Iteration
Mein erstes Produkt hat vier Wochen gedauert. Von der Idee bis zum Launch. Das ist kein MVP im klassischen Sinn. Das ist ein funktionierendes Produkt mit 17 Features. Früher hätte das ein Team und sechs Monate gebraucht. Heute braucht es einen Menschen mit einem klaren Problem und einen AI-Assistenten, der nicht schläft.
Lernen durch Bauen
Ich habe mehr über Software-Architektur gelernt, indem ich fünf Produkte gebaut habe, als ich in irgendeinem Kurs gelernt hätte. Weil jedes Problem real war. Jeder Bug real. Jeder Nutzer real.
Was nicht funktioniert hat
Zu viele Features
Mein größter Fehler. Immer wieder. Bei ZehnX Academy bin ich auf 600 Sprints und 14 Departments gekommen, bevor ich gemerkt habe, dass die meisten Nutzer nur drei davon brauchen. AI macht es zu leicht, Features zu bauen. Du beschreibst etwas, und in 20 Minuten ist es da. Die Versuchung ist enorm. Und sie ist gefährlich.
Copy-Paste-Code ohne Verständnis
In den ersten Wochen habe ich Claude-Code einfach übernommen. Funktioniert. Nächstes Feature. Bis etwas kaputt ging und ich drei Tage gebraucht habe, um zu verstehen, warum. Seitdem lese ich jeden Block. Nicht weil ich muss. Sondern weil ich sonst mein eigenes Produkt nicht warten kann.
Kein Testing am Anfang
Ich habe Monate ohne Tests gebaut. Jedes Update war russisches Roulette. Geht alles noch? Keine Ahnung. Lass mal deployen und schauen. Das rächt sich. Hart.
Unterschätzte Kosten
Die reinen Server-Kosten sind gering. Ein Hetzner CX33 — ein Cloud-Server mit 8 GB RAM — für unter 20 Euro im Monat. Aber: Claude API, OpenAI Embeddings, SMTP-Service, Domain, SSL — das summiert sich. Nicht auf 50.000 Euro wie ein klassisches MVP. Aber auch nicht auf Null. Realistisch: 200 bis 400 Euro im Monat für einen Solo-Builder mit mehreren Produkten.
Die ehrliche Bilanz nach 18 Monaten
Fünf Dinge, die ich jedem mitgeben würde
Nicht aus Marktanalysen. Nicht aus Trends. Aus dem Moment, in dem du denkst: Das muss doch besser gehen. Die besten Produkte entstehen aus persönlicher Frustration.
Es ist ein anderer Weg. Du sparst Zeit beim Coden. Aber du investierst sie in Verstehen, Architektur und Produktentscheidungen. Die harte Arbeit verschiebt sich. Sie verschwindet nicht.
Kein Framework, das du nicht verstehst. Kein Tool, das du nicht brauchst. Jede Abstraktion, die du hinzufügst, ist eine Abstraktion, die kaputt gehen kann.
Meine besten Features kamen von Nutzern. Nicht von mir. Nicht von Claude. Von echten Menschen mit echten Problemen.
Solo-Building klingt romantisch. Ist es nicht. Es gibt Tage, an denen nichts funktioniert, niemand antwortet, und du dich fragst, ob das alles Sinn macht. Die Antwort ist meistens ja. Aber du musst durch die Nein-Tage durch.
Für wen ist das relevant
Wenn du eine Idee hast, die dich nicht loslässt. Wenn du kein Budget für ein Entwicklerteam hast. Wenn du bereit bist, 18 Monate lang jeden Tag zu lernen. Dann ist AI-native Entwicklung dein Weg.
Nicht der leichte Weg. Der möglich gewordene Weg.
Wenn du Fragen hast — zur Technik, zum Stack, zum Prozess — schreib mir. Ich beantworte jede Nachricht. Weil mir vor 18 Monaten niemand ehrlich gesagt hat, wie das hier wirklich ist.
Eigene Idee? Lass uns reden.
Have an idea? Let's talk.
Ich baue AI-Produkte im Sprint — von der Idee bis zum Live-Produkt.
I build AI products in sprints — from idea to live product.